Frauen ohne Angst vor Spinnen


Autorallye des Damenclubs Rheinland-Ruhr als Herausforderung und Spaßfaktor

 
„Schön war’s – doch der Chinese war ,chinesisch’.“ Der Eintrag ins Gästebuch des Landesclub Rheinland-Ruhr im Deutschen Damen Automobil Club (DDAC) beschreibt die Tücken der Rallye an diesem verhangenen Tag. Vier Teams starten ab 14 Uhr in Hostert  bei Mönchengladbach, nahe der A 52, vom Parkplatz des früheren Lokals „Akropolis“ aus, in dessen hinterem Teil jemand mit Reifen handelt. Doch es geht nicht um Geschwindigkeit, Verschleiß, Technik und Material. Gefragt sind Geschicklichkeit beim Autofahren, Reaktions- und Orientierungsvermögen.


Rita Rosseck und Christa Sessinghaus haben die Ausfahrt vorbereitet. Sie geben den Fahrerinnen und deren kundigen Co-Pilotinnen Rallye-Nüsse zu knacken, Laien verstehen nur Bahnhof: Chinese nach Natur, Puzzleskizze, gepunktete Negativskizze, Spinne und unterbrochene Drehpunktskizze. Damit gilt es, eine Idealstrecke zur Leuther Mühle zu finden, auf der Landkarte mit dem Maßstab 1:50 000 und auf der Straße. 55 Kilometer in drei Stunden heißt die Vorgabe, Ankunft am Ziel bis 17 Uhr. 
 

 

Holzschilder in Form des DDAC-Logos, ein Vierkleeblatt, verheißen mit großen Buchstaben den Tüchtigen Glück. Allerdings müssen sie die Orientierungspunkte erst einmal finden und – ebenso wie die jeweils ersten drei Buchstaben passierter Ortseingangschilder – in die Bordkarte eintragen. Fehlt etwas, droht Punkteaufschlag, auch bei  Kilometer-Differenz. Mehr als 60 Km werden bei solchen Rallyes nicht verlangt. Der Benzinverbrauch hält sich in Grenzen. Wer die Zeit überschreitet, fliegt aus der Wertung.

 

 

Dennoch starten Christa Reiners, Vorsitzende des Landesclubs, und Sportleiterin Uta Schmölder-Herrmann neben ihr nicht sofort. Sorgfältig studieren sie Aufgaben und Kartenausschnitte, hantieren mit Lineal, Bleistift und Markern, planen das erste Teilstück. Um 14.35 Uhr biegt Reiners vom Parkplatz rechts auf die Bundesstraße. Schmölder-Herrmann  zählt laut mit, wo Straßen abzweigen und vergleicht das mit den Geradeaus-, Links- und Rechtsstrichlein der vorgegebenen Skizze, die chinesischen Schriftzeichen ähneln. Richtung Waldniel, aber wo? Die beiden kehren zum Ausgangspunkt zurück, wiederholen das „Chinesenspiel“ –  ohne Ergebnis. „Kann es sein“, fragt Christa Reiners, „dass bei der Vorbereitung Anliegerstraßen und Feldwege mitgezählt worden sind?“ Die gelten nämlich im Regelfall nicht. Doch die Vorbereitung stimmte.

 


Zwanzig Minuten später, auf einer Wohn- und Spielstraße, herrscht Ratlosigkeit. In  Abwägung zwischen verpassten Orientierungspunkten und Strafpunkten für überzählige Kilometer wird die erste Aufgabe gestrichen. „Auf nach Schwalmtal“, beschließt das Team. Dort erneutes Hin- und Herfahren, Suchen, Vergleich zwischen Skizze, Karte und Realität. „Da kriegst Du rote Backen“, brummelt Reiners. Um gleich darauf zu jubeln: „Ich sehe ein Schild.“ Sie meint das Kleeblatt mit dem Buchstaben G als Erkennungszeichen. „Manchmal werden die zwischendurch geklaut. Dann haben die einen Orientierungshilfe, andere nicht“, erzählt Uta Schmölder-Herrmann.

 


Sie hat den Kopf fast nur in der Karte, die Fahrerin achtet auf die Straße. Die dritte Aufgabe – „gepunktete Negativskizze“ – markiert Straßen, die nicht erlaubt sind, und fordert, dazwischen die ausgetüftelte Strecke zu finden. Es geht voran, dafür stellt die folgende „Spinne“ vor Probleme. Die Beifahrerin überträgt die Zeichnung –  Körper und Beine von der Mitte nach außen – auf Folie und legt diese auf die Karte. Danach „franzt“ sie, sagt, wo es lang gehen soll. Zu weit gefahren, ein Stück zurück, rechts ab in eine Seitenstraße, in einem Wohngebiet endlich der nächste Orientierungspunkt. Die einzige erlaubte Anliegerstraße.

 

 

Während der Weiterfahrt imaginäres, kritisches  Gespräch mit Rosseck/Sessinghaus, die im Restaurant Leuther Mühle gespannt darauf warten, wie ihre Clubschwestern die Strecke bewältigt haben: „Das hätten sie sagen müssen, da fehlt ‚ne Angabe“ oder „Schikane, das erste Beinchen (der Spinne) ist ganz klar rechts.“ Reiners und Schmölder-Herrmann verzeichnen immerhin vier Erkennungszeichen. Doch sie verfehlen  den Streckenposten, der kein Team zu Gesicht bekommt und so gern Pluspunkte vergeben und Zierkürbisse verschenkt hätte. Und nach Lobberich, das sie zweimal durchqueren, wollten und sollten sie nicht. Zeitlich wird es eng. Also auch Aufgabe fünf knicken und direkt das Ziel ansteuern, das um 16.57 Uhr erreicht wird.    

 

Rita Rosseck und Christa Sessinghaus werten nachher die Bordkarten aus. Claudia Lang und Birgi Krenzin gewinnen. Christa Reiners und Uta Schmölder-Herrmann belegen Rang zwei. Spaß gehabt haben alle Teilnehmerinnen. „Und wieder ein Stück vom Niederrhein näher kennen gelernt“, wie sie versichern. Dieses Erlebnis wollen sie 2011 anderen bescheren. Dann richtet der Landesclub die Jahres-Rallye für ganz Deutschland aus.